Veröffentlichungen

Auf dieser Seite listen wir die bisher erfolgten Veröffentlichungen von wissenschaftlichen Arbeiten, sowie Postern von Veranstaltungen auf.

Poster

DGINA Jahrestagung 2023

Rettungsdienstliche Zuweisungen in hessische Notaufnahmen in Abhängigkeit von der Krankenhausgröße – eine Analyse von IVENA-Daten

Autoren: Jens Christoph STELTNER, Patrick MUELLER-NOLTE, Klaus WEBER, Daniel KERSTEN, Rudolf ALEXI, Andreas JERRENTRUP

Einleitung: Systematische Analysen rettungsdienstlicher Zuweisungen in Abhängigkeit von der Größe der Zielklinik sind bisher nicht verfügbar. Es existieren lediglich anekdotische Annahmen und einzelne Triagedatenauswertungen. Seit 2017 wird in Hessen flächendeckend das IVENA System für Zuweisung und Anmeldung rettungsdienstlicher Patienten für Notaufnahmen genutzt. Die Daten von 21 hesssichen Kliniken stellen die Grundlage dieser ersten Analyse dar.

Methoden: Basis dieser Auswertungen sind aus dem IVENA-System exportierte Zuweisungsdaten der 21 Kliniken. Zur kollaborativen Analyse dieser Daten, wurde eine webbasierte Datenbank-Plattform erstellt, die aktuell ca. 1.1 Millionen Zuweisungen seit 2017 enthält. Aus dieser Datenbasis wurden die Zuweisungen mit den nachfolgenden Merkmalen ermittelt und in Gruppen entsprechend der Anzahl der Betten in "klein" (< 250 Betten), "mittel" (250 – 750 Betten) und "groß" (> 750 Betten) eingeteilt. Untersucht wurden Verteilungen nach Alter, Uhrzeiten& Wochentagen, sowie die Abhängigkeit von der Behandlungsdringlichkeit (Sichtungskategorien 1 bis 3). Zusätzlich wurden die Anteile von notarztbegleiteten Zuweisungen, sowie Sekundärtransporten ausgewertet.

Ergebnisse: Die konkreten Ergebnisse werden im Rahmen der Präsentation vorgestellt. Es zeigen sich zahlreiche größenbezogene Unterschiede: Während die Zuweisungen in kleine Kliniken in allen Altersgruppen gleichbleiben, nehmen die in große Kliniken mit dem Alter deutlich ab. Von den über 90 Jährigen werden nur noch 24% in große Kliniken zugewiesen, verglichen mit 41% der 18-29 Jährigen. Hinsichtlich Zuweisungen nach Uhrzeit und Wochentagen findet sich kein signifikanter Unterschied. SK1-Zuweisungen (sofortiger Behandlungsbedarf, überwiegend Schockraum-bedürftig) stellen in großen Kliniken mit 16% verglichen zu 8 und 5% einen doppelt bzw. mehr als drei Mal so hohen Anteil dar. Dies gilt ebenso für Zuweisungen mit Notarztbegleitung (18% an großen Kliniken). Insgesamt erfolgte fast die Hälfte aller erfassten Zuweisungen mit Notarzt in großen Kliniken. Sekundärverlegungen stellen an kleinen und mittleren Kliniken mit 3% nur einen sehr kleinen Anteil dar, während diese an großen Kliniken fast 6% aller Zuweisungen ausmachen.

Diskussion: Diese Daten können aus unserer Sicht ein wertvolles Instrument der Ressourcenplanung für Notaufnahmen sein, weshalb zukünftig weitere Metriken und zusätzliche Kategorisierungen für genauere Ergebnisse evaluiert werden sollten.

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Quantitative Entwicklung rettungsdienstlicher Tracer-Diagnosen vor und während der Coronapandemie in Hessen auf Basis von IVENA-Daten (2019-2022)

Autoren: Patrick MUELLER-NOLTE, Klaus WEBER, Jens Christoph STELTNER, Andreas JERRENTRUP, Rudolf ALEXI, Daniel KERSTEN

Einleitung: In den Pandemiejahren 2020-2022 konnten Veränderungen im Zuweisungsverhalten des Rettungsdienstes beobachtet werden. Auswertungen von Notaufnahmedaten zeigen zu Beginn der Pandemie eine Reduktion von Atemwegserkrankungen. Diagnosen wie Apoplex oder ACS blieben unverändert. Ziel dieser Auswertung ist die Analyse des Zuweisungsverhaltens des Rettungsdienstes in Hessen anhand der Tracerdiagnosen ACS/STEMI, Apoplex, COPD/Bronchitis/Pneumonie, Lungenembolie und CPR.

Methoden: Basis sind von Kliniken aus dem IVENA-System exportierte Daten. Bei Anmeldung wird pro Einsatz ein Datensatz erzeugt und gespeichert, welche alle relevanten Informationen in anonymisierter Form enthält. Zur kollaborativen Analyse dieser Daten wurde eine webbasierte Datenbank-Plattform erstellt, welche aktuell ca. 1.1 Millionen Zuweisungen aus 21 Kliniken seit 2017 enthält. Aus dieser Datenbasis wurden mit Hilfe von SQL- Abfragen die Anzahlen von Zuweisungen mit nachfolgenden Merkmalen ermittelt und in Gruppen entsprechend der folgenden Kategorien ausgewertet: Anzahl der Rettungsdienstzuweisungen gesamt sowie der Tracerdiagnosen STEMI/ ACS, COPD/ Bronchitis/ Pneumonie, Apoplex, Lungenembolie und CPR pro Quartal/2019 bis 2022.

Ergebnisse: COPD/Bronchitis/Pneumonie: Ausgehend vom Peak I/19 (6,41%), ist ab II/20 ein signifikanter Rückgang der Zuweisungen zu beobachten, der sich im Vergleich zum Vorpandemiejahr 2019 durch die Folgejahre 2020, 2021 und den größeren Teil 2022 zieht. Erst in IV/22 ist ein steiler Anstieg in das Vorpandemieniveau zu beobachten (5,98%). STEMI/ ACS und Schlaganfälle zeigen keine solche abfallende Dynamik und bleiben stabil. Bei Lungenembolie und CPR zeigen sich ebenfalls Einbrüche in der Frühphase der Pandemie (II/20-IV/20).

Diskussion: Neben einer Reduktion der Einsatzzahlen in den ersten Pandemiemonaten im Vergleich zu den Vorjahresmonaten (in unseren Daten -8%) kam es zu einem merklichen Rückgang von Zuweisungen mit den Diagnosen COPD/Bronchitis/Pneumonie. Die Ursachen hierfür bedürfen weiterer Forschung, stehen wahrscheinlich mit den allgemeinen Infektionsschutzmaßnahmen in Zusammenhang. Der steile Wiederanstieg in IV/22 deckt sich mit Rückmeldungen aus Notaufnahmen und epidemiologischen Prognosen. Für STEMI/ ACS lässt sich ein Rückgang für die Pandemiemonate nicht beobachten, hier bedarf es weiterer Evaluation bzgl. PZC und tatsächlicher Krankenhausdiagnose. Die vorliegenden Daten zeigen eine Inanspruchnahme von Rettungsdiensten und Notaufnahmen.

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Welche tageszeitlich- und fachbezogenen Ressourcen benötigen Rettungsdienst-Patienten in den Notaufnahmen? Eine Big-Data-Analyse.

Autoren: Andreas JERRENTRUP, Klaus WEBER, Patrick MUELLER-NOLTE, Rudolf ALEXI, Daniel KERSTEN, Jens Christoph STELTNER

Einleitung: Bedingt durch die COVID19-Pandemie, aber auch grundsätzliche strukturelle Probleme sind Krankenhaus-Kapazitäten bundesweit begrenzt. Patienten der Notaufnahmen konkurrieren mit elektiv einbestellten Patienten um Krankenhausbetten, diagnostische und therapeutische Ressourcen. Angesichts dieser Situation ist eine exakte und vorausschauende Planung, die das wahrscheinliche Aufkommen von Notfallpatienten nach Fachgebiet, Tageszeit und besonderem Ressourcenbedarf wie Herzkatheter und Schockraum in einer Region berücksichtigt, essentiell. Die vorliegende Studie analysiert die grundsätzliche zeitliche Rhythmik und Quantität von Rettungsdienst-Patienten aus einer sehr großen Datenbasis.

Methoden: Alle Rettungsdienst-Zuweisungen in Hessen werden über den elektronischen Bettennachweis IVENA in Kliniken angemeldet. Im Rahmen der Anmeldung wird für jeden Einsatz ein Datensatz erzeugt und gespeichert, der alle relevanten Informationen in anonymisierter Form enthält. Zur Analyse dieser Daten wurde eine webbasierte Datenbank-Plattform erstellt, welche aktuell knapp 1,1 Millionen Zuweisungen an 21 Kliniken seit 2017 enthält. Aus dieser Datenbasis wurden mit Hilfe von SQL-Abfragen die Anzahlen von Zuweisungen pro Tageszeitstunde differenziert nach Fachgebiet (Innere Medizin, Unfallchirurgie, Neurologie, Pädiatrie und Urologie) und besonderem Ressourcenbedarf (Schockraum, Herzkatheter) ausgewertet.

Ergebnisse: Der Gipfel der Rettungsdienst-Zuweisungen wird für Patienten mit konservativen Krankheitsbildern (Innere Medizin, Neurologie) bereits um 10 Uhr morgens erreicht, danach kommt es nach einem kurzen Plateau von 2-3 Stunden zu einem deutlichen Abfall der Zuweisungen. Rettungsdienst-Zuweisungen mit unfallchirurgischen und pädiatrischen Krankheitsbildern erreichen das Maximum gegen 11 Uhr, und weisen einen zweiten Gipfel am späten Nachmittag bzw. frühen Abend auf. Anmeldungen für einen akut benötigen Herzkatheter zeigen einen Gipfel um 10 Uhr morgens, während die meisten unfallchirurgischen Schockräume gegen 17 Uhr vom Rettungsdienst angemeldet werden.

Diskussion: Die aus einer sehr großen Datenbasis gewonnen Zahlen zeigen sehr klare und markante tageszeitliche Unterschiede im Bedarf von Akut-Herzkathetern, Schockräumen, und fachbezogenen Diagnose- und Behandlungsressourcen. Dies erlaubt grundsätzlich eine Vorausplanung der tageszeit- und fachbezogenen Ressourcenbereitstellung in Notaufnahmen, vor allem, wenn die Planung mehrere Notaufnahmen miteinschließt.

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EUSEM22 / DGINA Jahrestagung 2022

Kollaborative Statistiken zur Versorgungsforschung aus dem hessischen IVENA – eine Erstvorstellung

Autoren: Jens Christoph STELTNER, Andreas JERRENTRUP, Klaus WEBER, Patrick MUELLER-NOLTE, Rudolf ALEXI, Daniel KERSTEN

Abstract: In Deutschland wird seit 2010 das IVENA eHealth System genutzt, um Patienten entsprechend der aktuellen Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten gezielt in Kliniken disponieren zu können. Die webbasierte Anwendung ermöglicht darüber hinaus auch überregionale Ressourcenübersichten und den schnellen Austausch zwischen den Krankenhäusern, den Zentralen Leitstellen, den Gesundheitsbehörden und anderen medizinischen Diensten.
 
Aus diesem System können sich die teilnehmenden Kliniken umfassende Datensätze exportieren, bislang gab es allerdings keine Möglichkeit zur zielorientierten Weiterverarbeitung dieser Daten. Aus der Landesgruppe der DGINA Hessen entstand 2021 die AG Versorgungsforschung, welche sich den Aufbau einer webbasierten Plattform zur kollaborativen Auswertung der Zuweisungsdaten als Ziel gesetzt hat.
 
Im Rahmen der Entwicklung dieser Plattform beteiligen sich in der derzeitigen Testphase bereits 16 hessische Kliniken, mit aktuell über 625.000 Einsätzen die bis ins Jahr 2017 zurückdatieren. Dies stellt bereits heute eine völlig neuartige Datenbasis mit bislang unerreichter Menge an individuellen Datensätzen dar. So können Informationen wie Zuweisungscodes, Transportdaten, oder auch die Anfrage bestimmter Ressourcen wie z.B. des Schockraumes, oder es Herzkatheters betrachtet werden. Ebenfalls enthalten sind Merkmale des Einsatzes wie Notarztbegleitung, Beatmung, oder Infektiosität. Dadurch ist es u.a. erstmals möglich ein genaues Bild des zeitlichen Ablaufs von bestimmten Zuweisungen abhängig von Uhrzeiten, Wochentagen oder nach anderen Kriterien zu erhalten.
 
Wir präsentieren eine Reihe von informativen Auswertungen auf Basis der aktuellen Datenbasis, um statistische Aussagen über die Zuweisungen entsprechend verschiedener Kriterien zu treffen und dadurch bislang unbekannte Einblicke in die Realität der rettungsdienstlichen Zuweisungen zu liefern.

Preise: 2. Posterpreis der DGINA e.V. 2022

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Über uns

Aktualisiert von: j.steltner.
Aktualisiert am: 05.05.2023 11:52.